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ÄRZTEGESUNDHEIT |
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"Ich
dachte, daß Ärzte besonders gesund leben müßten, ... die Helfer aber
I Allgemeine Aspekte Die Gesundheit oder Krankheit von Ärzten galt lange als Privatangelegenheit,
und die Ärzteschaft insgesamt zeigte wenig Interesse dafür. Mit zunehmender
Ärztezahl und angesichts einer kritischen Patientenschaft sowie Presse,
erhöhte sich die Aufmerksamkeit für Krankheiten von Ärzten. Befürchtungen
für dadurch bedingte Fehler oder Mängel in der medizinischen Versorgung
wurden laut. Eine veränderte Rechtsprechung sah plötzlich z.B. einen alkoholabhängigen
Arzt als mögliches Risiko. Krankenhäuser und Ärzteorganisationen sollten
Maßnahmen nachweisen, daß solche Ärzte nicht einfach unbehelligt weiter
arbeiten durften. Auch die Gefahr, die Ärzten in ihrem Beruf droht (Tätlichkeiten),
die 36 Stunden Schichten u.a. wurden mit immer mehr Sorge beobachtet,
und kürzlich vom EU- Gerichtshof eingegrenzt.
Diese Fragestellungen sind interdisziplinär; sie betreffen in Forschung und Behandlungsalltag besonders die Psychiatrie, die Arbeitsmedizin und Präventive Medizin. Die organisierten ärztlichen Körperschaften wie Landes- und Bundesärztekammer, Fachgesellschaften etc. sind in der Fürsorge und manchmal disziplinarischen Aktion mit der "praktischen Seite" der Ärztegesundheit häufiger beschäftigt, als ihnen lieb ist. Letztlich sind Tausende von Ärztinnen und Ärzten als Betroffene daran interessiert, bei eigener Erkrankung Hilfestellung zu erfahren. Ihre Not, ihre Hilflosigkeit angesichts eigener körperlicher oder seelischer Erkrankung ist immens. Kollegen, die kranke Ärzte behandeln, hören zu oft die Verzweiflung, die oft berechtigten Klagen über unprofessionelle Behandlung von Ärzten und das lückenhafte Wissen in Fragen der Ärztegesundheit. Aufgabe dieses Lehrbuchkapitels ist es, wichtige Informationen zu vermitteln und daran mitzuwirken, daß Ärzte , wenn sie denn selber erkranken, eine optimale und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene ärztliche Behandlung bekommen. Den wesentlichen Anstoß zum Fach Ärztegesundheit gab die AMA (American
Medical Association, Chicago) mit einem Artikel "der kranke Arzt" (The
sick physician, JAMA,1972). Damals wurde seitens der amerikanischen Ärzteschaft
festgestellt, daß es die Gesamtverantwortung und das Gesamtinteresse aller
Ärzte sei, kranken Ärztinnen und Ärzte zu helfen, im Interesse der öffentlichen
Gesundheit -sprich der Patienten, aber auch aus Fürsorge für die erkrankten
Kollegen. Hauptsächlich hatte man damals Ärzte mit Suchterkrankungen gemeint,
die nachfolgend auch das Gros der Arzt-Patienten ausmachten. Viel später
wurden jedoch auch Kollegen mit affektiven Erkrankungen, Suizidalität,
und in den 90 Jahren solche mit Verletzungen der Arzt-Patient Schranke
angesprochen und erhielten therapeutische Hilfen sowie Auflagen durch
die US- Ärztekammern. Mit der massiven Verschlechterung der organisatorischen
und finanziellen Rahmenbedingungen ärztlichen Handelns sind darüber hinaus
so viele Ärzte in eine gesundheitliche und /oder berufliche Krise geraten,
daß in den USA durch Coaching, Berufs- und Karriereberatung, Seminare
zur Erneuerung der Motivation zum Arztberuf etc. präventive Maßnahmen
in das Fach der Ärztegesundheit mit einbezogen werden. In den deutschsprachigen
Ländern sind Fragen der Ärztegesundheit spät aufgegriffen worden, hier
stehen bisher die Themen Sucht, Stress und Lebensqualität im Vordergrund
wissenschaftlichen Interesses (Fengler, Gottschaldt, Mäulen , Reimer&Jurkat).
Eine breite konzertierte Aktion, die Ärzteorganisationen, Forschung und
Behandlung erkrankter Ärzte verbindet, Therapierichtlinen erarbeitet und
die Forschung koordiniert existiert noch nicht. Immerhin gibt es mittlerweile
ein gut ausgebautes Hilfssystem für abhängige Ärzte/innen, die Landesärztekammern
bemühen sich um gezielte Hilfestellungen für die Kollegen. Die wachsende
Bedeutung zeigt sich in einer gestiegenen Zahl von Veröffentlichungen
zu Themen der Ärztegesundheit. Trotzdem liegt die BRD bezüglich des Themas
Ärztegesundheit hinter den USA aber auch europäischen Ländern wie Groß-
Britannien oder Finnland zurück. Nicht alle Aspekte der Ärztegesundheit
können hier abgehandelt werden. Im Vordergrund stehen: Sucht, affektive
Störung, Suizidalität, Gewalt gegen Ärzte, Gesundheitsverhalten, Hinweise
auf die Besonderheiten in der Diagnostik und Therapie.
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